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Liebe Angehörige unserer Pfarreiengemeinschaft,

Advent ist gekommen, Weihnachten steht vor der Tür....Ich will jetzt nicht der Einbildung erliegen: „Früher war alles schöner, geheimnisvoller, ir­gendwie ehrwürdiger, ja hei­liger!“(P. Rosegger und H. Waggerl lassen grüßen)- Aber Fakt ist allemal: Die Vorweihnachtszeit heutzutage bietet zwar viel Licht und­ Glanz und Glamour – der Kern und Mittelpunkt von Weihnachten aber, dass Gott uns im Kind von Bethlehem nahe kommen will und wir darum ganz bewusst auf Ihn zugehen-, uns IHM öffnen sollen, das ist tatsächlich stark in den Hintergrund getreten. – Besser bringt es der ehe­malige Bischof von Innsbruck, Reinhold Stecher zur Sprache unter dem Titel

Der verkürzte Gesang der Engel
Das erste Weihnachtslied, das je gesungen. wurde, war gleichzeitig auch das kürzeste: "Ehre sei Gott in der Höhe - und Friede den Menschen auf Erden ... " Dies war der Text der Engel auf den Fluren von Bethlehem. Er ist uns bekannt und vertraut von Kindesbeinen an. Wir beten ihn an den mei­sten Sonn- und Feiertagen in der Messe. Und trotzdem läuft dieser kurze Text Gefahr, von uns noch ein­mal verkürzt zu werden, und zwar auf den zweiten Teil, der vom Men­schen spricht.

Nun möchte ich ja nicht falsch verstanden werden. Es ist wunderbar und herzerhebend, was in der Advents- und Weihnachtszeit an Liebe zu Men­schen, bei uns Menschen untereinander aufbricht. Die Welle des Helfens und Freu­demachens, des Engagements ist mit Gottes Menschwer­dung zutiefst verbun­den und der schönste Rahmen. Wenn ich an karitative Unterneh­mungen denke, an die vielen Bazare und Flohmärkte, an Kir­chenkonzerte und Feierstunden, Aktionen und Beschenkungen, und an die vielen Weihnachtsgeschenke, die in Liebe bedacht, gebastelt, gekauft und verpackt werden, wenn man an alle Briefe und Grüße denkt, die die Briefkästen zum Platzen bringen und die Postbeamten zu Überstunden zwingen, wenn man das alles bedenkt, dann ist kein Zweifel, dass die Botschaft vom großen Frie­den, will sagen vom Heil in dieser unserer Welt ein weites Echo hat, und nichts von dem soll bagatellisiert, zurück­ge­nommen oder abge­wertet werden. Der zweite Teil der Weihnachts­botschaft ist voll akzeptiert, ja, ich würde sagen, weit über die Kreise der Kirchen­be­sucher hinaus bis tief in die Gesellschaft hinein aufgenommen und wirksam.
Dort, wo das Orchester unserer Zeit heute schwächer wird, das ist der erste Teil des ältesten und kürzesten Weihnachtsliedes: "Ehre sei Gott in der Höhe". Irgendwie erscheint uns heute dieser fromme Zusatz als zweit­rangig und über­flüssig. Dafür gibt es ein ganz sicht­bares Zeichen: schwin­den­der Gottesdienstbesuch. Die Motivation des "Ehre sei Gott in der Höhe" ist blass. Die Orgel des Got­teslobs spielt in unseren Seelen nicht mit vollem Werk, nur mit ein paar dün­nen Registern. Es ist ganz gleich, was ich auf­schlage: Programme katholischer Organisationen, Pastoralpläne, Kath-­Press-Nachrichten, Religionsbücher, ja sogar mei­nen eigenen Tagesablauf: Das "Ehre sei Gott in der Höhe" kommt immer wieder zu kurz.
Und dabei hängt so viel davon ab, dass unsere Seele der Geist der Anbe­tung durchzieht, das Ergriffensein von dem unendlichen Ge­heimnis, das über uns beseligend hereinbricht in diesen Tagen der Weihnacht: Gott, der die unendliche Liebe ist. ...Und es geht beim Geist der Anbe­tung nicht nur um ein mystisches Gefühl!
Die Haltung der Anbetung bedeutet auch so viel für unser Stehen in der Welt. Es gilt einfach der Satz, der sich im Lauf der Geschichte immer wieder bestätigt: Wer vor Gott das Knie nicht beugt, küsst bald einmal dem Teufel den Hintern ... Wer diese Haltung der Anbetung gegenüber dem "Gott in der Höhe" nicht pflegt, findet bald einmal einen Ersatz­gott auf dieser Erde, beugt sein Knie vor Ideo­logien, Geld, Macht, Leistung, Standard, Erfolg und an­de­­ren Götzen.
Lassen wir also das ganze Lied von-Bethlehem in unserer Seele erklingen, das Lied von der Ehre Gottes und der Zuwendung zum Menschen, lassen wir die mächtige Orgel mit dem Gloria im Herzen aufbrausen, und je tiefer die Ehrfurcht vor dem Unendlichen in unserer Seele zum Schwingen kommt, um so wirksamer, treuer und selbstlo­ser werden wir für den Menschen und das Heil der Welt tätig sein können.

Liebe Pfarreiangehörige, ich wünsche uns allen die Sehnsucht und die Kraft, den Berg von Glanz und Glamour, von Events und Geschenken zu über­winden und wirklich mehr und bewusster bei unserem Gott anzukom­men, der uns im Kind von Bethlehem so rührend nahe gekommen ist.

Ihr
S. Vogt
Pfr. i. R.

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